Ich bin Joya. Ein reinrassiger «Krüppel»-Mops aus Ungarn
16 Mrz

Ich bin Joya. Ein reinrassiger «Krüppel»-Mops aus Ungarn

Die traurige Geschichte eines unschuldigen Opfers übler Welpenhändler

Hallo Bilbo, du kennst mich nicht. Aber du hast schon mein «Mami» kennengelernt. Letzte Woche wars, im Gasthaus zum Lamm im Härkingen SO. Dort hat dein Chef Zmittag gegessen. Meine «Mami» ist die Serviceangestellte. Sie hat dir einen Keks spendiert.

Und ich, ich bin die Joya. Ein sechs Jahre alter, reinrassiger Mops. Wobei «reinrassiger Krüppel» leider eher der Wahrheit entspricht …

Wir haben deine Lebensgeschichte gelesen. Sie hat uns sehr berührt! Darum haben ich und meine «Mami» beschlossen, dir die meine zu erzählen.

Seit mich mein «Mami» in die Arme genommen hat, gehts mir immer besser und besser.

Seit mich mein «Mami» in die Arme genommen hat, gehts mir immer besser und besser.

Ich wurde am 15. September 2010 irgendwo in Ungarn geboren. Bekannt ist, dass ein Tierarzt mir einen Monat später einen Chip einpflanzte und mich impfte. Dann begann sie, meine grosse Reise durch halb Europa bis in die Schweiz. Damals war ich gerade zehn Wochen alt …

Schliesslich hat mich ein junger Albaner gekauft. Er zahlte 1000 Franken. Ich glaube schon, dass er mich irgendwie gern hatte. Aber eigentlich benutzte er mich nur als  «Mädchenmagnet». Klingt schlimmer als es war. Ich bin schliesslich ein herziges Kerlchen, alle haben sie mich gestreichelt und hie und da bekam ich sogar kleine Geschenklein.

Mein damaliger Chef, der Albaner, arbeitete im Bahnhof Olten. Darum hat er mich immer zum «käfele» mitgenommen ins Buffet. Und da traf ich zum erste Mal meine «Mami».

Die hat nämlich gemerkt, dass ich meinen Chef immer mehr überforderte mit meinen Bedürfnissen. Und weil wir alle drei im gleichem Ort wohnten, hat sie meinem Chef angeboten, mit mir mal raus zu gehen oder zu spielen, wenn sie frei hat und der Albaner keine Zeit.

Es hat funktioniert. Aber nur eine zeitlang bis irgendwann Gefühle ins Spiel kamen. Wir waren jedes Mal sehr traurig und weinten, wenn mich «Mami» wieder zurückbringen musste. Es war schrecklich!

Eines Tages fasste meine «Mami» den Entschluss und sagte, es können einfach nicht mehr so weitergehen. Sie sei nicht mehr in der Lage, mit mir den Nachmittag zu verbringen, weil es einfach nicht gut sei für uns beide.

Zum Glück erhörte der liebe Gott alle meine Gebete und noch bevor das «Mami» etwas sagen konnte, hat der Chef zum meinem «Mami» gesagt, dass ich ihm zu anstrengend geworden sei. Er wolle mich nicht mehr. Was für ein Drecksack.

Zum Glück durfte ich bei meiner «Mami» bleiben
Meine «Mami» sagte sofort, dass sie mich will. Dann feilschte sie und verhandelte. Schlussendlich musste meine «Mami» 500 Franken auf den Tisch legen und so hatte ich endlich mein Zuhause gefunden. Das war vor fast fünf Jahren. Am 15. März 2011. Das ist der Tag an dem ich meinen zweiten Geburtstag feierte.

«Mami» hat mich danach zum Tierarzt gebracht, um zu checken, ob mit mir alles im Ordnung sei. Nichts war in Ordnung. Ich war bereits sechs Monate alt, aber nicht einmal stubenrein, meine Impfungen waren nicht gemacht und durch die Nummer meines Chips fand man heraus, dass ich die Tochter einer ungarischen «Gebärmaschine» bin. Meine Papiere wurden geschönt und der Mann, der mich in die Schweiz brachte, ist eigentlich ein ganz übler Kerl. Ein schweizweit bekannter «Welpenhändler». Bei den Tierärzten steht er auf einer schwarzen Liste.

Meine «Mami» wollte so etwas nie unterstützen. Indirekt hat sie es doch gemacht, weil sie sich für mich entschieden hat. Sie sagte sich: Joya bleibt bei mir – egal was kommt, ich lasse sie nicht allein!

Leicht habe ich es anfänglich nicht gemacht. Wie schon gesagt, ich war nicht stubenrein und da meine «Mami» noch zwei Katzen hatte, fand sie es anfänglich besser, wenn ich über Nacht in meiner Box schlafe. So würde ich nicht mit den zwei Katzen streiten.

Zwei Monate lang konnte «Mami» nicht schlafen
Nun, wie geschrieben, arbeitet meine «Mami» im Restaurant, und kommt meistens erst um halb zwölf nach Hause. Dann kann sie nicht sofort einschlafen, bleibt also meistens bis etwa halb zwei wach. Ich aber muss frühmorgens um fünf, halb sechs raus. Die ersten zwei Monate lebte meine «Mami» von Café und Energy-Getränken. Aber ich weiss, sie hat es gerne gemacht. Nur leider war das nicht das einzige Problem.

Ich wurde plötzlich krank. Meine «Bützi» war stark entzündet und juckte höllisch. Ich kratzte mich blutig. Kaum war diese Entzündung geheilt, kam die Nächste. Ich fing an zu «hümpele» vorne rechts. «Mami» war mit mir am Freitag beim Tierarzt. Der gab mir nur eine Schmerzspritze und schickte uns nach Hause. Den Samstag verbrachten wir zusammen mit «Papi» am See, er war wunderschön. Aber am Abend liess die Wirkung der Spritze nach und ich humpelte auf allen drei Pfoten nach Hause.

Schaut mal diese grosse Narbe. Da musste sich Dr. Beck aus der Tierklinik Aarau West neben seinem Chirurgentalent auch als tapferes Schneiderlein beweisen.

Schaut mal diese grosse Narbe. Da musste sich Dr. Beck aus der Tierklinik Aarau West neben seinem Chirurgentalent auch als tapferes Schneiderlein beweisen.

Dann begann sie, die schlimmste Nacht meines noch jungen Lebens. Ich war ja erst neun Monate alt. Die Schmerzen waren brutal. Ich konnte nicht schlafen. Wimmert. Jaulte. Meine «Mami» trug mit auf den Armen, schaukelte mich, machte mir kalte Wickel. Alles nützte nichts. Am Morgen konnte ich nicht mehr auf den Beinen stehen. Meine «Eltern» fuhren mit mir sofort die Tierklinik AW in Oberentfelden. Das ist ja ganz in deiner Nähe. Ja, und dort haben sie mich gleich behalten.

Schmerzen bereiteten mir eine furchtbare Nacht
Am Montag um elf Uhr rief Dr. Beck meine «Mami» an und sagte, sie soll ihm erklären, was sie denn genau mit mir gemacht habe! Meine «Mami» weinte nur noch, verstand die Welt nicht mehr. Sie sagte, dass ich erst seit zwei Monaten bei ihr sei und seither mehr krank als gesund gewesen war. Sie sagte Dr. Beck, sie wisse nicht, wovon er spreche.

Wahrscheinlich bin ich als Welpe jemandem aus dem Arme gefallen oder ich habe mir beim Transport den rechten Oberschenkelknochen gebrochen. Weil das niemand merkte und ich so tat, als wäre da nichts passiert, gelangten knochenfressende Bakterien in den Knochen. Und deshalb wurde er vom Schultergelenk abgestossen oder so. Ich verstehe das nicht so ganz.

Du kennst ja die Tierklinik. Dr. Beck und sein Team die haben sich, auf gut Deutsch gesagt, «den Allerwertesten aufgerissen» um herauszufinden, was denn genau mit mir nicht stimme und wie man mich behandeln könne.

Meine «Eltern» bekamen damals viele gut gemeinte Ratschläge. So etwa, mal solle doch vielleicht darüber nachdenken einen so kranken Hund zu erlösen. Gahts no!

Bakterien frassen meine Knochen auf
Wir kämpften. Ich schluckte sechs Monate lang Antibiotika. Glücklicherweise war ich noch im Wachstum. Das Antibiotika killte alle Bakterien, die Knochen wuchsen nach und das mit dem Schultergelenk kam auch wieder gut.

Meine Elter waren überglücklich. Nur, das ist leider erst ein Bruchteil meiner Krankenakte. Dadurch dass ich meiner Hundemutter weggenommen wurde, habe ich kein Immunsystem. Ehrlich Bilbo, ich hoffe sie ist bereits tot, denn ihr Dasein hatte nur einen Zweck: Welpen gebären. Schier endlos. Wer das tut, was ihr angetan wurde, den sollte man …

Du seufzt tief. Bilbo, lieber Bilbo, das ist noch nicht alles. Vor zwei Jahren stellten die Ärzte bei mir Krebs fest. Nun, ich bin ja Joya die Kämpferin. Den Krebs habe ich besiegt. Meine «Mami» weiss, dass ich mal eine megaglückliche Phase habe und dann wieder eine Phase, wo ich nichts wissen will. Eine Phase wo mir alles so anstrengend erscheint.

Meine «Mami» weiss, wie sie damit dem umgehen soll und ich bin ja so froh, dass ich sie gefunden habe. Sie macht mich megaglücklich. Das kann ich ihr auch zeigen. Und diese Phasen wo wir glücklichen und fröhlich sind, die werden immer mehr.

Ich will dich unbedingt mal treffen
Mein lieber Bilbo, «Mami» hat es sehr gefreut, dich zu kennen zu lernen, vielleicht treffen wir uns mal persönlich? Ich meine, schon von deinem Körperbau her, könnten wir gut  zu einander passen. Denn ich habe etwas Respekt vor grossen Hunden. Den habest du nicht, hörte ich. Dann könntest du mich beschützen.

Lieber Bilbo, ich wünsche dir weiterhin nur das Beste. Beide wissen wir ja, was wir für ein riesig grosses Glück hatten.

Pfote drauf! Joya

Die Tierschutz-Organisation «Vier Pfoten» über die Welpen-Mafia

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